German Arrowheads | Taktik mit Jan – Sutton vs. Spagnuolo
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Taktik mit Jan – Sutton vs. Spagnuolo

Taktik mit Jan – Sutton vs. Spagnuolo

Einer der ersten Offseason Moves von Brett Veach war die Entlassung von Bob Sutton, der den Job als Defensive Coordinator (DC) bei den Chiefs innehatte.

Die Offense um Pat Mahomes hatte ein Rekordjahr, die Defense leider beinahe auch.

Von allen 32 Teams der NFL hat die Chiefs Defense den 31. Platz belegt: 6488 Yards zugelassen (hier waren nur die Cincinnati Bengals schlechter), 405.5 Yards/Spiel, 421 Punkte, 26,3 Punkte/Spiel, dies sind nur einige Zahlen die den Beleg liefern, dass es defensiv letztes Jahr so gar nicht laufen wollte. Woran das gelegen haben kann, können wir nur spekulieren und uns steht es fern Bob Sutton hier zu kritisieren! Wir wollen uns hier den Wechsel des DC ansehen und der damit verbunden Änderung im defensiven System.

3-4 Normal der Baltimore Ravens

Suttons Grundausrichtung war eine sogenannte 3-4. Das heißt, es stehen drei Defensivlineman (DL) und vier Linebacker (LB) auf dem Feld, sowie zwei Safeties (S) und zwei Cornerbacks (CB). Oft stehen hier die beiden Outsidelinebacker (OLB) neben den drei DL an der Line of Scrimmage. Wenn der Snap erfolgt, rushen die drei DL und meist ein OLB zum gegnerischen Quaterback (QB), sodass ein Passrush mit 4 Rushern entsteht. Der andere OLB lässt sich in eine Coverage fallen. Einer der Teams, die die Grundform einer 3-4 Defense spielen sind die Baltimore Ravens, wie im nachstehenden Bild zu sehen ist, im Duell mit den Cincinnati Bengals.

Um zu verstehen was Bob Sutton nun hat spielen lassen brauchen wir diese 3-4 Normal Aufstellung, denn auf dieser Formation basiert die von Sutton präferierte 3-4 Nickel.

Mit der 3-4 Normal Aufstellung und den Stärken und Schwächen dieses Systems befassen wir uns hier nicht.

3-4 Nickel Front der Kansas City Chiefs

Nun zur 3-4 Nickel. Nickel bedeutet, dass ein Defensiv Back (CB+S sind die Defensive Backs) mehr auf dem Feld steht und dafür ein anderer Spieler runter muss. Auch in den Nickel Formationen gibt es noch Unterteilungen, je nachdem ob ein Safety oder ein Cornerback mehr auf dem Platz steht, aber das würde uns an dieser Stelle zu weit führen.

Ob eine Nickel Formation aus einer 3-4 oder einer 4-3, oder aus einer in der NFL kaum noch vertretenen 5-2 oder 4-4 aufgebaut wird, ist teilweise ein großer Unterschied.

Bleiben wir bei der 3-4 Nickel von Sutton, bei der der Defensiv Tackle (DT) in der Mitte der Front gegen eine Cornerback (den sogenannten Nickelback oder Slot Cornerback) getauscht wird.

Was sind nun die Vor- bzw. Nachteiler dieser Formation? Wie überall immer wieder zu hören und zu lesen ist, befinden wir uns zurzeit in einer sogenannten „Passing League“. Teams die sich nur über das Laufspiel definieren haben es schwer und werden immer weniger, das Passspiel wird immer dominanter.

Es ist nur Folgerichtig, dass Teams ihre defensive Spielweise auf dieses passlastige Spiel umstellen. Dazu gehört auch das vermehrte Auftreten von Nickel-Formationen oder Sub-Aufstellungen. Da es Linebacker immer schwer haben Widereciver (WR) aufgrund von fehlendem Tempo oder Agilität zu decken (Außnahmen hier zB. Dion Bucannon oder Dion Jones) und Offensive Formationen oft mehr als 2 WR enthalten braucht die Defensive mehr als die 2 CB die im Normalen 3-4 auf dem Feld stehen. Von den Receiving Tight Ends dieser Liga (Kelce, Rudolph, Ertz,…) die inzwischen auch als Receiver gelten, fangen wir hier gar nicht erst an.

Offensive Formation der Los Angeles Rams

Das beste Beispiel für eine 3 WR Offensive ist die der Los Angeles Rams unter Sean McVay.

Und schon sind wir bei den Vorteilen der 3-4 Nickel angekommen. Wie auf dem Bild zu sehen ist, lässt es sich so verhindern das ein MLB oder OLB einen WR decken muss, denn es sind genug CB auf dem Platz um eine klare Zuteilung von CB und WR zu schaffen. CB1 deckt WR1 usw…ein MLB deckt hier den RB und ein Saftey deckt den TE auf der rechten Seite der Line of Scrimmage. Und trotz einer guten Zuteilung haben die Chiefs hier noch 2 „freie“ Verteidiger (einen Saftey und einen MLB), welche auf Playaction oder Runs reagieren können, oder einfach eine Zone auf dem Feld decken. Allgemein hat man bei dieser Art der Defensive Formation sehr viel Tempo und Agilität auf dem Feld.

Wo wir auch schon bei den Nachteilen dieser Aufstellung wären. Wie oben schon geschrieben, wird viel auf das Passspiel Wert gelegt und auch darauf reagiert… Aber was ist, wenn doch ein Team viel oder sehr gut Läuft? Dann kommt dieses System schnell an seine Grenzen, was auch einer der Gründe war, für ein so schlechtes Abschneiden der Defense. Schauen wir uns nochmal das Bild der Chiefs 3-4 Nickel Front an.

OLB sind ihrem Gegenüber (dem Offensive Tackle) oft Athletisch überlegen, was Speed, Antritt und Wendigkeit angeht. Aber was Masse und Kraft betrifft oft stark unterlegen! Da nun die OLB nicht direkt ins Kräfteduell mit dem OT gehen wollen, Rushen die OLB (Im Bild Dee Ford auf der linken Seite) weit nach außen um ihren Gegenüber zu schlagen und an den QB ranzukommen. Und hier tut sich das erste riesen Problem auf. Wenn der OLB (hier Ford) weit nach außen geht (C-Gap / 5 Technique), schafft er sich ein Eins gegen Eins Duell mit dem Tackle, was in Passsituationen sehr gut ist. Sollte aber hier ein Laufspiel folgen haben wir ein großes Problem, denn nun ist der offensive Guard alleine und kann ungestört den Weg für den Runningback „freiräumen“. Ford wäre in dieser Situation komplett raus aus dem Play. Und da viele Defensive Backs auf dem Feld stehen die oft von den WR aufs offene Feld gezogen werden, können sie erst spät auf das Play reagieren. Stellen sich die DB dann wieder näher an die Line of Scrimmage oder haben ein Auge auf den Run, ergibt sich Raum für Pässe, der die DB´s wieder dazu bewegt sich wieder defensiver zu positionieren… Teams die dieses „Defensive locken um dann werfen zu können“ nahezu perfektioniert haben sind unter anderem die Dallas Cowboys mit Ezekiel Elliott, die New Orleans Saints mit Alvin Kamara und die LA Rams mit Todd Gurley.

Ein Beispiel hierfür liefert uns das Spiel gegen die Rams.

Ford (Roter Kreis #55) stellt sich in der 5-Technique auf um außen an dem OT vorbeizukommen (C-Gap). Einzige Hilfe auf dieser Seite ist Allen Bailey (#97) als DL. Was folgt war ein Laufspielzug…

Beschränken wir uns hier auf die „normale“ 4-3 da uns die Unterteilung in Under, Over, Even etc. zu weit führen würde. In einer 4-3 stehen 4 DL auf dem Feld (DE-NT-DT-DE) dahinter 3 LB (WLB-MLB-SLB). Hier muss bei den Positionen ein bisschen mehr unterschieden werden. Bei der D-Line haben wir auf beiden außen Seiten einen Defensive End (ähnliche Position wie der OLB bei einer 3-4) dieser ist meist schwerer und physischer als ein OLB. Hier wurde sich in der Offseason von Houston und Ford getrennt, dafür wurden Alex Okafor von den Saints und Frank Clark von den Seattle Seahawks geholt. In der Mitte der Front haben wir nun 2 „schwere Jungs“. Ein Nose Tackle (z.B. Derrick Nnadi (oder Damon Harrison von den Detroit Lions)) steht meist dem Center gegenüber (1-Technique / A-Gap), der Defensive Tackle (Chris Jones (oder Aaron Donald LA Rams)) spielt meist eine 2-Technique oder 3-Technique und steht einem Guard gegenüber, die Defensive Ends (Clark (Daniel Hunter von den Minnesota Vikings)) stehen meist auf der Innenseite oder Frontal dem Offensive Tackle entgegen. Im nachfolgenden Bild sind die Gaps und die Techniques der DL gegen über der OL aufgezeigt.

Der Unterschied hier zwischen 4-3 Under und 4-3 Over ist unter anderem die Verschiebung des DT in Richtung der schwachen Seite der Offensive Line.

An der Line of Scrimmage steht mehr „Physis“ mit vier Defensive Line Spielern als bei den zwei Defensiv Line Spielern im 3-4 Nickel. Die Front der 4-3 benötigt, einfach gesagt, im Idealfall keine Hilfe von LB oder DB´s um die Line kontrollieren zu können, was bedeutet, dass sich LB auf den Lauf konzentrieren können sowie die DB auf die Deckung der Receiver. Spieler wie O`Daniel sind gelegentlich auch in der Lage einen Slot Receiver oder einen TE kurzfristig covern zu können.

Will man sich das Leben als Defense einfacher machen, wenn man einen Pass vermutet, so lässt sich aus der 4-3 auch eine 4-3 Nickel aufstellen. Großer Vorteil hier: Die Defense Line bleibt unverändert! Es wird ein LB (meist der Weakside LB) gegen einen DB getauscht. Die Dominanz an der Line wird dadurch nicht aufgegeben und man bekommt einen zusätzlichen Cover Spieler auf den Platz.

Die Philadelphia Eagles, Los Angeles Chargers, New Orleans Saints und Minnesota Vikings sind die Teams die eine solche Kombination aus 4-3 und 4-3 Nickel am häufigsten spielen. Je nachdem was vermutet wird, kann mit einem Spielerwechsel reagieren werden ohne die Front schwächen.

Hier die defensive 4-3 Nickel Aufstellung der Minnesota Vikings

Als Beispiel für ein gut gespielte 4-3 Front, ein Play aus dem Spiel Vikings@Bears

Das Play ist ein angetäuschter Sweep der Bears, sodass sich die #42 und die #22 sogar aus dem Play rausbewegen, da sie auf die Täuschung reinfallen.

Hier ist sehr schön zu sehen, dass die DE nicht an der OT vorbei rushen, sondern das Play vor sich lassen um die Gaps eng zu halten. Auf der linken Seite spielen DE Weatherly (#91) und NT Joseph (#98) gegen 3 OL und halten dennoch die Lücken so klein, dass der RB dort nicht durch kann. WLB Kendricks (#54) verhindert das der Center in das zweite Level kommt und auf der rechten Seite schlägt DE Hunter (#99) seinen Gegenspieler ohne nach außen zu müssen und verhindert so mehr als die in dem Play gelaufenen 3 Yard…Und das gegen überdurchschnittliche Offensive Line der Bears.

Ich hoffe dass die Chiefs mit dem neuen System eine bessere Saison spielen werden. Meiner Meinung nach, hat man in der Offseason alles getan um der Defense Stabilität zu verleihen. Die neuen Spieler wie Clark und Okafor könnten Houston und Ford gut ersetzten und die aus dem Draft kommenden Spieler wie Thornhill und Saunders versprechen Potenzial.